Chancen in der Wasserstoffwirtschaft für den Landkreis Harburg
von Landkreis Harburg am 28.03.2025Die Zukunft der Energieversorgung steht vor einem Umbruch – und Wasserstoff kann dabei
eine zentrale Rolle spielen. Auf Einladung des Landkreises Harburg, der Wirtschaftsförderung
im Landkreis Harburg (WLH) und des Wasserstoffnetzwerks Nordostniedersachsen (H2.N.O.N)
haben am 25. März Fachleute aus der Wirtschaft, der Politik sowie Bürgerinnen und Bürger
die Potenziale der Region diskutiert. Im ISI-Zentrum für Gründung, Business & Innovation in
Buchholz i.d.N betonte Landrat Rainer Rempe, dass für den Markthochlauf von Wasserstoff
Kommunen, Wirtschaft und Wissenschaft eng zusammenarbeiten müssten. „Unser
gemeinsames Ziel ist es, die vorhandenen guten Rahmenbedingungen und die darin
enthaltenen Potenziale bis hinunter auf die kommunale Ebene nachhaltig weiterzuentwickeln
und die Region als Schrittmacher der wasserstoffbasierten Energiewende zu etablieren“, so
Rempe. Denn fest stehe: „Mit Wind- und Solarstrom erzeugter grüner Wasserstoff soll künftig
eine zentrale Rolle als klimaneutraler Energieträger insbesondere für die energieintensive
deutsche Wirtschaft, aber auch für den Verkehr spielen.“
Dr. Daniel Kipp vom H2.N.O.N-Regionalmanagement stellte dar, wie sich die
Wasserstoffnutzung in Nordostniedersachsen aktuell entwickelt. Anschließend gaben
Experten von Gasunie Deutschland, EWE Netz, Friedrich Vorwerk Group SE und BEST
Fluidsysteme Einblicke in den Aufbau von regionaler Wasserstoffinfrastruktur – wie Speicher
und Verteilnetze. Dabei soll bis 2036 ein über 6000 Kilometer langes deutsches
Wasserstoffkernnetz entstehen, um vor allem Küstenorte, Speicherkapazitäten und große
Industriestandorte miteinander zu verbinden. Denn eins scheint jetzt schon klar: Vor allem die
Nachfrage aus der Industrie wird so hoch sein, dass Wasserstoff, ggf. auch gebunden über
andere chemische Verbindungen wie Ammoniak oder Methanol, über weite Strecken
importiert werden muss. Gerade Niedersachsen kann von diesem Netz profitieren, das aus
alten umgewidmeten Pipelines aber auch aus neu zu erbauenden Abschnitten bestehen soll.
Im Landkreis Harburg verläuft eine derzeit bestehende Leitung von Westen kommend über
Heidenau die sich bis Stade und Leversen in der Gemeinde Rosengarten verzweigt. Von hier
aus wird derzeit eine kurze neue Verbindung nach Hamburg Moorburg geplant. Bei der
Nutzung der folgenden Verteilnetze gibt es aber noch viele ungeklärte Fragen. Die EWE Netz
betreibt aber selbst auch zahlreiche Infrastrukturobjekte im Zusammenhang mit der
Wasserstoffwirtschaft und wird bis Mitte 2026 zusammen mit weiteren Netzbetreibern einen
regionalen Transformationsplan zur Umstellung auf die Wasserstoffwirtschaft entwerfen.
Aber auch schon bei der Entstehung und dem Betrieb der Wasserstoffinfrastruktur spielen
Unternehmen aus dem Landkreis vorne mit. So verdeutlichte CEO Torben Kleinfeldt von der
Friedrich Vorwerk Gruppe SE mit Sitz in Tostedt, wie das Unternehmen auch an den eigenen
Standorten die Versorgung mit Hilfe von Wasserstoff sicherstellt. Das Unternehmen stellt
nicht nur Gaspipelines her, sondern kann diese auch auf Wasserstoff umrüsten und betreiben.
Für gastechnische Anlagen sind dabei auch viele kleine Ausrüstungselemente zuständig, die
u.a. auch von der Firma Best Fluidsysteme GmbH aus Brackel geplant und gebaut werden. Mit
Wasserstoff und anderen Gasen besteht dabei jahrzehntelange Erfahrung, erläuterte CEO
Pierre Fischer. So steckt die Technologie aus Brackel auch in den Wasserstofftriebwagen des
iLint der Firma Alstom.
Weiter ging es mit regionalen Beispielen zur Wasserstoffnutzung in verschiedenen Sektoren.
Dr. Roland Hamelmann aus dem H2.N.O.N-Regionalmanagement berichtete über den Einsatz
in der Industrie. Als Teil des von den Landkreisen beauftragen Regionalmanagements möchte
Hamelmann lokale Arbeitsgruppen für mögliche Anwender initiieren und ist bereits mit
einigen Unternehmen im Landkreis im Gespräch. „Wasserstoff kann besonders für Betriebe
mit hohem Wärmebedarf interessant sein aber auch um einen 24/7 Prozess sicher abfedern
zu können“, so der Experte. Die Teilnahme in den Arbeitskreisen ist kostenlos.
Paul Bruns von der Firma ENGINIUS, die auch über einen Standort in Winsen (Luhe) verfügt,
informierte über Wasserstoffantrieb für Nutzfahrzeuge und den Aufbau eines H2-
Tankstellennetzes. Christoph Peters aus dem Niedersächsischen Wasserstoff-Netzwerk für
den DGB beleuchtete die Rolle von Wasserstoff in der kommunalen Wärmeplanung.
Ergänzend stellten Oliver Waltenrath und Dr. Alexander Stark vom Landkreis Harburg die
regionale Zukunftsperspektive für die Energiewende vor. Hierbei wird aber auch klar, dass
Wasserstoff keine greifbare Lösung für die Endverbraucher darstellen wird. Der Nutzen wird
sich eher inselhaft für wenige Ortslagen oder mittelständische Unternehmen mit hohem
Energiebedarf ergeben.
Zusammen mit zehn weiteren Landkreisen gehört der Landkreis Harburg zu den Trägern des
Wasserstoffnetzwerks H2.N.O.N. Mehr als 150 Unternehmen, Kommunen und Einrichtungen
verfolgen gemeinsam das Ziel, in der Region ein Wasserstoff-Ökosystem aufzubauen, um
insbesondere den regionalen Mittelstand auf dem Weg zur Klimaneutralität zu unterstützen
und die Potenziale der Region in Wert zu setzen. Für das ganze Netzwerk steht am 30. Oktober
2025 der nächste wichtige Termin an, denn dann wird der 7. Wasserstofftag der H2.N.O.N-
Region erstmals im Landkreis Harburg in der Burg Seevetal tagen.
BU: Landrat Rainer Rempe (4. v. li.) hatte gemeinsam mit WLH-Geschäftsführer Jens
Wrede (5. v. li.) und dem Wasserstoffnetzwerk Nordostniedersachsen zur
Informationsveranstaltung mit zahlreichen Referenten in Buchholz geladen.
Foto: H2.N.O.N
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